Der Pinguin im Roboter

Der Pinguin im Roboter - teaser
Der Pinguin im Roboter - teaser - (Pinguine und Landschaft geschaffen von Edgar Perez-Palma)

OpenSource für Roboter

Wenn wir Roboter sehen, nehmen wir meist nur die Äußerlichkeiten wahr: Das chrompolierte Kunststoff-Gehäuse , die präzisen Bewegungen, den Grad der Ähnlichkeit zum menschlichen Vorbild. Doch auch beim Roboter kommt es mehr auf die inneren Werte an. Und die werden immer häufiger von der Open-Source-Bewegung geprägt.

Im März dieses Jahres hat das amerikanische Unternehmen “Willow Garage, bekannt für seinen “Turtlebot” und den Forschungsroboter “RP2”, die Open Source Robotics Foundation (OSRF) aus der Taufe gehoben. Ziel der Initiative ist es, offene und freie Software in der Robotik zu fördern und zu verbreiten.

Open Source in der Robotik

Vor allem in der Wissenschaft, mittlerweile aber auch in der Wirtschaft und bei vielen Privatanwendern, haben sich die Vorteile von Open-Source-Hard- und Software längst herumgesprochen. Mit Open Source ist es möglich, Programme und Roboter bis auf die Ebene des Quellcodes bzw. der elektronischen und mechanischen Baupläne zurück zu verfolgen. Statt einer Black-Box, die macht, was andere programmiert und gebaut haben, erhält man einen frei konfigurierbaren Roboter.

Tux steuert MT

Linux unter der Haube - der Pinguin steuert MT

So kann jeder das System weiter entwickeln und an seine Wünsche anpassen. Neue Erkenntnisse kommen dabei der sogenannten Community zu gute. Die Software wird ständig von vielen freiwilligen Programmierern verbessert und die Hardware durch neue Bausteine, wie Sensoren, Motoren oder Schnittstellen ergänzt.

Das Roboter-Betriebssystem ROS

Am bekanntesten dürfte das Robots Operating System (ROS) sein. Es läuft primär unter dem Linux-Betriebssystem Ubuntu und enthält alles, was einen Roboter zum Leben erweckt. Dazu gehört zum Beispiel die Point-Cloud-Bibliothek. Sie ermöglicht es Robotern, Objekte im dreidimensionalen Raum zu erkennen und zu verfolgen. Auch Schnittstellen für Sound, Kameras oder Joysticks sind vorhanden. Direkt aus der Packung bekommt man so ein kostenloses und dennoch extrem leistungsfähiges Roboter-Betriebssystem.

ROS wurde maßgeblich von Willow Garage entwickelt und treibt deshalb die eigenen Roboter an. Aber auch andere Bots funktionieren mit dem Pinguin-Herz. Darunter der Frauenhofer-Roboter IPA Care-O-bot, der Lego NXT, der Nao von Aldebaran oder auch der Roomba-Staubsauger von iRobot.

Eine Alternative stellt die unter einer freien Linzenz kostenlos verfügbare Robotik-Software Urbi des französischen Roboter-Spezialisten Gostai dar. Die Plattform unterstütz ebenfalls eine ganze Reihe bekannter Roboter, darunter der Nao und das Lego-Mindstorm-System

Der Open Roboter

Wer auch die Hardware als Open Source haben möchte, wird ebenfalls fündig. Verschiedene Hacker-Plattformen wie das BeagleBone  von Texas Instruments oder die freien ARDUINO-Boards, die auch den Robotern von Makeblock  Herz und Hirn verleiht. Wem das Basteln am offenen Herzen nicht liegt, der bestellt sich einen fertigen Roboter von dem spanischen Unternehmen The Corpora. Der OpenQbo, der auf robonews.de bereits vorgestellt wurde, läuft mit dem Linux-System ROS und kann frei programmiert und verbessert werden.

Bei allen Vorteilen und den vielen Möglichkeiten, die Open Source und Linux für die Robotik bietet, gibt es auch einen großen Nachteil. Open Source ist aufgrund riesigen Entwickler- und Test-Netzwerke zu einem der sichersten Systeme geworden. So sicher, dass das der pazifistische Linux-Pinguin auch von der amerikanischen Marine, der Navy, entdeckt und missbraucht wurde. Der Drohnenflotte machte ein Virus zu schaffen, der das Bodenkontrollsystem befallen hatte. Nach vielen erfolglosen Wartungsversuchen soll nun für viele Millionen Dollar das komplette System auf Linux umgestellt werden. Nur wird der Pinguin eben nicht gefragt, ob er das auch will.

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