Zum 90. Geburtstag des Roboters: Ein Streifzug durch die Filmgeschichte

So lob ich mir Roboterinnen: Tricia Helfer als Zylon Nummer 6 in Battlestar Calactica. Foto: Justin Stephens
So lob ich mir Roboterinnen: Tricia Helfer als Zylonin Nummer 6 in Battlestar Galactica. Foto: Justin Stephens

Seit Karel und Josef Capek den Begriff „Roboter“ (Arbeiter) 1921 in einem Drama kreierten, haben uns die künstlichen Menschen nicht mehr losgelassen – zunächst in der Literatur, dann im Film und schließlich in der Arbeitswelt. Für uns ein Anlass, zum 90. „Geburtstag“ des Roboters einen cineastischen Blick zurückzuwerfen: wie sich die Sicht der filmischen Populärkultur auf Roboter im Laufe der Jahrzehnte geändert hat, vom amoklaufenden Maschinenmensch „Maria“ in Metropolis bis zur religiösen Metapher in „Battlestar Galactica“ oder zur Steampunk-Ikone in „Hugo“ heute.

Die Capeks ließen sich zweifellos in dem Theaterstück „Rossum’s Universal Robots“ (1921) von der alten jüdischen Golem-Legende inspirieren, vom künstlich geschaffenen Menschen aus Lehm, mit einem magischen Zettel im Kopf, der die bedrängten Juden schützen soll. Dieser Golem-Mythos wurde bereits 1920 von dem deutsche Expressionisten Paul Wegener verfilmt, hier findet man bereits Elemente späterer Roboterfilme: Die vom Menschen geschaffene Kreatur, die unkontrollierbar wird. Auch der „Frankenstein“-Roman von Mary Shelley (1818) dürfte hier eingeflossen sein.

Metropolis: Parabel auf herzlosen Kapitalismus

Tickt auf Befehl aus: Maschinenmensch "Maria" in "Metropolis". Abb: Warner
Tickt auf Befehl aus: Maschinenmensch "Maria" in "Metropolis". Abb: Murnau-Stiftung/ Warner

Ein richtiger Roboter nach heutiger Definition taucht dann in Fritz Langs Klassiker „Metropolis“ (1927) auf: Wieder ist es wieder ein jüdischer Erfinder, der einen Maschinenmenschen erschafft – um seine verstorbene Geliebte neu zu beleben. Aber auch hier führt der Schöpfungsakt durch den Menschen zur Katastrophe. Wie in der kürzlich rekonstruierten Urfassung von „Metropolis“ zu sehen ist, entwarf Lang die Roboterin „Maria“ als Parabel auf herzlosen Kapitalismus. Spätere Filme fielen da weit zurück und reduzierten Roboter oft wieder auf den „Golem“- und „Frankenstein“-Gedanken vom planlos amoklaufenden Maschinenwesen. Optisch indes beeinflusste der „Maria“-Look Generationen von Regisseuren.

Um wie viel primitiver wirken da beispielsweise die Roboter in der BBC-Verfilmung „Stahlhöhlen“ (1964): Während Isaac Asimov – der Autor, der nach Capek das Roboter-Konzept literarisch am meisten befruchtete – in seinem Originalroman von 1954 sehr elaboriert die Folgen diskutiert, die eine Künstliche Intelligenz (KI) auf die menschliche Gesellschaft haben könnte, reduziert die BBC all dies auf das Monster-Thema – mit Robotern, die aussehen, wie in einer Hinterhofwerkstatt eilig zusammengeschustert, klobig und plump.

Dieser (wohl auch aus finanziellen Gründen entstandenen) Tradition ist die BBC später in der ansonsten sehr amüsanten Verfilmung von „Per Anhalter durch die Galaxis“ (1980) treu geblieben, auch dort wirkt der depressive Roboter eher wie ein Blechkasten.

Aus dem Roboter wird der Androide

Vor allem ab den 1970er und 80er Jahren, als in Japan und dann in aller Welt Industrieroboter die Fabriken eroberten und – aus zeitgenössischer Sicht – vor allem Jobs für menschliche Arbeiter vernichteten, kam es zu einer Renaissance des Roboter-Plots in der Filmindustrie. Und auch zu neuen Nuancen in der Darstellung: Etwa zu dieser Zeit machte die Tricktechnik einen Evolutionssprung („Star Wars“, „Alien“ etc.). Dies führte auf den Leinwänden zu windschnittigen, oft chromglänzenden, aber doch humanoiden Robotern, die im angloamerikanischen Raum nun mehr und mehr „Androiden“ (Menschenähnliche) genannt wurden – in Abgrenzung zu den aus kaum mehr als einem Greifarm bestehenden Industrierobotern, die es ja nun in der Realität gab.

Galactica: Zylonen = seelenlose Kommunisten

Der erste Terminator-Streifen folgte noch ganz dem Bedrohungsmuster und entlieh seine Optik auch den Industrierobotern. Abb.: MGM
Der erste Terminator-Streifen folgte noch ganz dem Bedrohungsmuster und entlieh seine Optik auch den Industrierobotern. Abb.: MGM

Während Asimov bereits in den 1940er Jahren begonnen hatte, neben den „Bedrohungsgeschichten“ zunehmend Roboter-Storys zu schreiben, die eher den KI-Gedanken in den Fokus stellten, fächerte sich in den 1970er Jahren auch die Thematik im Film auf: Einerseits blieb der Bedrohungs-Gedanke präsent. Bestes Beispiel dafür ist die originale „Kampfstern Galactica“-Serie ab 1978, in der die menschliche Rasse von einer grausamen Maschinenzivilisation („Zylonen“) von der Auslöschung bedroht wird – unschwer zu entziffern als Reflex des Kalten Krieges. Die Zylonen stehen hier offensichtlich für die Kommunisten, nach US-Lesart seelenlose Morlocks, die die amerikanische Lebensart auszumerzen versuchen. Auch der erste „Terminator“-Streifen (1984) ist wohl in diese Reihe einzuordnen.

Die 80er Jahre: Menschliche Roboter auf dem Vormarsch

Wie süß: 3PO und R2D2 in Starwars. Abb.: 20th Cent. Fox
Wie süß: 3PO und R2D2 in Starwars. Abb.: 20th Cent. Fox

Andererseits kamen zu selben Zeit auch Sci-Fi-Filme auf den Markt, die intelligente Roboter als Projektionsfläche menschlicher Eigenarten sahen, man denke nur an „3PO“ oder selbst „R2D2“ in „Star Wars“, die eben nicht auf der Seite des dunklen Imperiums stehen.

Will ein Mensch werden: Data von der Enterprise. Abb.: Paramount
Will ein Mensch werden: Data von der Enterprise. Abb.: Paramount

Noch deutlicher war dies in der neuen „Enterprise TNG“-Serie, die ab 1987 ausgestrahlt wurde: Der Android „Data“ ist hier einer der (positiven) Hauptakteure. Die Entscheidung, Data durch einen Menschen (Brent Spiner), und nicht durch eine Maschine darstellen zu lassen, hatte mit Sicherheit nicht nur finanzielle Gründe: Dieser Android sollte unsere Sympathie wecken, unser Verantwortungsgefühl für unsere Schöpfungen, spann gar schon den Gedanken „Manchmal sind Roboter die besseren Menschen“.

Roboter: Menschlicher als der Mensch

Eben dies ist ein Grundthema von „A.I.“ (2001), des von Steven Spielberg (leider etwas kitschig) umgesetzten Filmprojekts von Stanley Kubrick: Unser Mitleid wird hier auf die empathischen Roboter David und Gigolo Joe gelenkt, die sich meist viel menschlicher verhalten als die Menschen. Auch hier werden die Androiden wieder durch echte Schauspieler dargestellt, um eine nuancierte Performance zu ermöglichen.

Drei Jahre später ist die CGI-Tricktechnik bereits soweit fortgeschritten, dass Alex Proyas für die Asimov-Verfilmung „I, Robot“ auf einen computergenerierten „Sonny“ setzt. Auch dieser Roboter entpuppt sich als überraschend menschlich motiviert – er will auf eine streng logische Art und Weise nur das Beste für die Menschen und sieht dieses Ziel viel deutlicher als die Organischen. Rein technisch und optisch ist Proyas mit seinem ätherischen „Sonny“ da durchaus neue Wege gegangen.

Die Asimov-Verfilmung "I, Robot" schlug bei Sonny neue Wege bei der Roboter-Visualisierung ein. Abb.: Fox
Die Asimov-Verfilmung "I, Robot" schlug bei Sonny neue Wege bei der Roboter-Visualisierung ein. Abb.: Fox

Der thematische und optische Wandel in der Roboter-Darstellung lässt sich auch sehr schön an der „Terminator“-Reihe sehen: War der erste Terminator 1984 noch ganz dem Bedrohungsthema geschuldet, in seinem Aussehen und Handeln ganz Killermaschine mit optischen Elementen der „jobfressenden“ Industrieroboter, verschwindet im Zuge der Morphing-Technologie der technisch-industrielle Look zugunsten fließender Formen und einer gewissen Ambivalenz: Neben den tötenden Maschinen tritt der Roboter als Beschützer in den Vordergrund, bis hin zur „Terminator“-Fernsehserie (2007 ff), in der Summer Glau die chic-maschinelle Leibwächterin gibt.

Reflex auf Anti-Terror-Kampf: Ambivalenz hält Einzug

Kampfmaschine oder Individuum? Zylon in der neuen "Battlestar galactica"-Serie. Abb.: Universal
Kampfmaschine oder Individuum? Zylon in der neuen "Battlestar Galactica"-Serie. Abb.: Universal

Noch einen Schritt weiter hin zur moralischen Ambivalenz ging die Neuauflage von „Battlestar Galactica“ (2003-2009): War das Original aus dem Kalten Krieg noch ganz dem Kontrast „Gut-Böse“ verhaftet, nahm die Neuverfilmung unter anderem die aktuelle Diskussion über die US-Antiterror-Politik, über völkerrechtswidrige Gefangenenlager wie Guantanamo und die Heimatschutzgesetze auf. Auf der einen Seite lässt man keinen Zweifel an der Bösartigkeit der Zylonen (man denke nur an den TV-Tabubruch, als „Nummer 6“ ein Baby tötet). Aber anders als im Original sind die Roboter hier keine fremde Rasse, sondern verstoßene Schöpfungen der Menschen. Und unsere Sympathien für die verfolgten Raumfahrer relativiert sich rasch, als gezeigt wird, wie grausam die Menschen ihre zylonischen Gefangenen behandeln. Diese Zwischentöne schlagen sich auch optisch nieder: Zu sehen sind die Zylonen als stählern-fremdartige Kriegsmaschinen, aber auch als Androiden mit einer eigenen Kultur, sozialen Bindungen und Philosophie.

Roboter als Stil-Ikonen

Scharfe Braut: Terminatrice Summer Glau. Abb.: Warner
Scharfe Braut: Terminatrice Summer Glau. Abb.: Warner

Recht oft setzen Filmemacher in jüngster Zeit Roboter im Übrigen auch als stilistisches Accessoire mit einem ironischen Unterton ein: Köstlich zum Beispiel die „Analoge Halluzinelle“ (bewusst nicht: „Hologramm“ oder „Roboterin“ genannt!), die Ijon Tichy in der deutschen „Sterntagebücher“-Adaption (2006 ff) nach Stanislaw Lem aus einer Spülmaschine, übrig gebliebenen Drähten und anderen Resten zusammenbastelt. Oder der skurrile Roboter aus „Supernova“ (2000), der mit seiner Ski-Brille und seinem Wackelgang wie der letzte Breakdancer aussieht.

Schräg: Der Zappel-Roboter in "Supernova". Abb.: MGM
Schräg: Der Zappel-Roboter in "Supernova". Abb.: MGM

Auch als Steampunk-Ikone muss Kollege Roboter jetzt immer öfter herhalten: Als technologisch zurückgenommenes Symbol für eine fiktive Gesellschaft, in der Computer und Atomkraft niemals erfunden worden sind, sondern komplizierte mechanische Aggregate, Dampfmaschinen und genieteter Stahl optisch und technologisch die Welt beherrschen. Jüngstes Beispiel dafür ist „Hugo Cabret“, der 2012 in die Kinos kommt. Heiko Weckbrodt


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